Wissenschafts als Herausforderung: Manifeste

Wissenschafts als Herausforderung: Manifeste

"Russell-Einstein-Manifest", Juli 1955 (5)

Ein vertraglich festgelegter Verzicht auf Kernwaffen, als Teil einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung, würde keine endgültige Lösung, aber in verschiedener Beziehung einen Fortschritt bringen. Erstens: Jedes Abkommen zwischen Ost und West ist nützlich, da es die bestehende Spannung zu verringern strebt. Zweitens: Würde jede der beiden Seiten annehmen, die andere habe das Abkommen über die Abschaffung der thermonuklearen Waffen ehrlich erfüllt, so würde ein solches Abkommen die Furcht vor einem Überraschungsangriff im Stil von Pearl Harbor reduzieren – eine Furcht, die gegenwärtig beide Seiten in nervöser Hochspannung hält. Wir sollte darum ein solches Abkommen begrüssen, wenn auch nur als ersten Schritt.

Die meisten unter uns sind innerlich nicht neutral. Aber wir müssen verstehen, dass die Entscheidung der Streitfragen zwischen Ost und West – soll sie jedermann zufrieden stellen, sei er Kommunist oder Antikommunist, Asiate, Europäer oder Amerikaner, schwarz oder weiss – auf dem Wege des Krieges nicht möglich ist. Möge man dies sowohl im Osten als auch im Westen einsehen.

Vor uns liegt, wenn wir es nur wollen, die Möglichkeit ununterbrochenen Fortschritts zu Glück, Wissen, Weisheit. Sollen wir statt dessen den Tod wählen, weil wir unsere Streitereien nicht vergessen können? Als Menschen rufen wir die Menschen auf: denkt an euer Menschentum – und vergesst alles andere. Seid ihr dessen fähig, ist der Weg zu einem neuen Paradies offen; bringt ihr es nicht zuwege, riskiert ihr den Tod aller.

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